
Autonomous Enterprise – der nächste große Schritt?
Was bedeutet die SAP Autonomous Enterprise für uns?
Ein Beitrag von Michael Loth, SAP Senior Sales Manager der BA Business Advice GmbH.
Wer sich schon länger mit SAP beschäftigt, kennt das: Alle paar Jahre gibt es ein neues Leitbild. Begriffe ändern sich, Technologien entwickeln sich weiter und irgendwann spricht plötzlich jeder über das nächste große Thema.
In diesem Jahr: SAP Autonomous Enterprise.
Als ich die Vorstellung verfolgt habe, musste ich zunächst an viele Gespräche mit Kunden denken. Denn dort geht es selten um Schlagworte. Viel häufiger höre ich Fragen wie:
„Was bringt uns das konkret?“
„Müssen wir jetzt alles neu machen?“
„Ist das wieder nur Zukunftsmusik?“
Die kurze Antwort lautet: Nein. Aber die Richtung, die SAP einschlägt, wird viele Unternehmen in den nächsten Jahren beschäftigen.

Weg von einzelnen KI-Funktionen
Bisher haben viele Unternehmen KI eher punktuell kennengelernt. Hier eine Texterstellung, dort eine Analyse oder ein Chatbot.
SAP verfolgt inzwischen einen deutlich größeren Ansatz.
Künstliche Intelligenz soll nicht mehr nur unterstützen, sondern Geschäftsprozesse aktiv begleiten. Sie soll Informationen zusammenführen, Aufgaben übernehmen, Entscheidungen vorbereiten und Abläufe koordinieren – über Abteilungsgrenzen hinweg. Der Mensch bleibt dabei verantwortlich. Aber Routinearbeiten sollen zunehmend automatisch erledigt werden.
Joule wird zur zentralen Schnittstelle
Im Mittelpunkt steht dabei Joule. Anstatt sich durch verschiedene SAP-Anwendungen zu klicken, beschreibt der Anwender künftig einfach sein Ziel. Die KI übernimmt anschließend einen Großteil der Arbeit im Hintergrund.
Das kann beispielsweise bedeuten:
- Informationen aus unterschiedlichen Systemen zusammenführen
- Aufgaben automatisch anstoßen
- fehlende Daten erkennen
- Genehmigungen vorbereiten
- Folgeprozesse starten
Im Idealfall muss der Mitarbeiter nicht mehr überlegen, in welchem System sich welche Information befindet.

Denn am Ende geht es nicht darum, Menschen zu ersetzen. Es geht darum, ihnen Routinearbeit abzunehmen, damit mehr Zeit für Entscheidungen, Zusammenarbeit und Wertschöpfung bleibt.
KI braucht den richtigen Kontext
Ein Punkt ist für mich besonders spannend. Viele KI-Systeme scheitern nicht an der Intelligenz, sondern am fehlenden Verständnis für Unternehmensprozesse. SAP versucht genau dieses Problem zu lösen. Mit der neuen Business AI Platform werden Unternehmensdaten, Prozesse und Organisationswissen miteinander verknüpft. Dadurch soll die KI nicht nur Antworten liefern, sondern den fachlichen Zusammenhang verstehen.
Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied zu vielen generischen KI-Lösungen.

Ein gutes Beispiel ist der Finanzabschluss.
Heute bedeutet der Monats- oder Jahresabschluss in vielen Unternehmen immer noch viel manuelle Arbeit. Daten prüfen, Abstimmungen durchführen, Fehler suchen und korrigieren. SAP zeigt nun einen sogenannten Autonomous Close Assistant, der viele dieser Tätigkeiten automatisiert übernehmen soll. Wenn das in der Praxis funktioniert, kann das den Abschluss deutlich beschleunigen und gleichzeitig die Fehlerquote reduzieren.
Auch Einkauf, Logistik und HR profitieren
Nicht nur Finance steht im Fokus. Auch Einkauf, Supply Chain, Personalwesen oder Customer Experience sollen künftig stärker durch KI unterstützt werden. Dabei geht es weniger um spektakuläre Einzelfunktionen, sondern vielmehr um viele kleine Automatisierungen, die sich über den gesamten Geschäftsprozess hinweg summieren. Genau darin liegt häufig der größte Nutzen.
Technik allein reicht nicht
Ein Satz von SAP-CEO Christian Klein ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Er hat sinngemäß gesagt, dass Technologie allein keinen Mehrwert schafft. Dem kann ich nur zustimmen. Neue Funktionen bringen wenig, wenn Prozesse unverändert bleiben oder Mitarbeitende nicht verstehen, wie sie die neuen Möglichkeiten sinnvoll nutzen können. Aus meiner Erfahrung entscheidet deshalb weniger die Software über den Erfolg als vielmehr die Bereitschaft eines Unternehmens, Veränderungen wirklich anzunehmen.
Das neue Zielbild der Autonomous Enterprise

Ein Praxisbeispiel.
Ein interessantes Beispiel zeigte SAP mit dem Modeunternehmen LC Waikiki.
Früher benötigten Mitarbeitende teilweise bis zu zehn Minuten, um Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenzutragen. Mit Joule sollen dieselben Antworten heute innerhalb weniger Sekunden verfügbar sein.
Solche Beispiele zeigen, welches Potenzial in einer intelligenten Verknüpfung von Daten und Prozessen steckt – vorausgesetzt, die zugrunde liegenden Daten stimmen.
Ich glaube nicht, dass das Autonomous Enterprise ein Thema ist, das morgen jedes Unternehmen vollständig umsetzen wird. Aber ich bin überzeugt, dass sich genau in diese Richtung vieles entwickeln wird.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Nicht sofort alles umkrempeln. Sondern die eigenen Prozesse sauber aufstellen, Datenqualität verbessern und Schritt für Schritt die Möglichkeiten nutzen, die KI tatsächlich sinnvoll ergänzt.
Denn am Ende geht es nicht darum, Menschen zu ersetzen.
Es geht darum, ihnen Routinearbeit abzunehmen, damit mehr Zeit für Entscheidungen, Zusammenarbeit und Wertschöpfung bleibt.
Darauf ist unser Geschäftsführer Dennis Kuhlmann in seinem Interview über Führung in Transformationen übrigens auch eingegangen.
Und genau das ist aus meiner Sicht die eigentliche Idee hinter dem Autonomous Enterprise.
Über Michael Loth
Michael Loth ist SAP Senior Sales Manager bei BA Business Advice und unterstützt Unternehmen dabei, das Potenzial moderner SAP-Lösungen für eine zukunftssichere Digitalisierung zu nutzen.



